Gastbeitrag

Petra Mockenhaupt, Gesundheitsberatung

Diät Info

Grüne Cola und Stevia

Was ist dran an der vermeintlichen Wunderpflanze?

Foto © palomadelosrios

Hättest Du es gewusst? Wir decken Ernährungsirrtümer auf!

Schon einmal die neue grüne Cola probiert? Angeblich soll sie gar nicht so gesund sein wie das grüne Etikett suggeriert. Da Stevia zur Zeit in „aller Munde ist“ und für viele kontroverse Diskussionen sorgt, möchte ich dich anregen, mal darüber nachzudenken was dahinter steckt.

Stevia: Was ist das für ein Gewächs?

Dazu zunächst ein kleiner Ausflug in die Botanik: Stevia, genauer Stevia rebaudiana, ist eine kleine krautartige Pflanze, stammt ursprünglich aus Südamerika und wird wegen dem süßlichen Geschmack der Blätter auch Süßblatt oder Honigkraut genannt. Die Ureinwohner Brasiliens und Paraguays nutzten die Blätter zum Süßen ihrer Speisen und Getränke. Bei dem Steviablatt handelt es sich um ein extrem komplexes Naturprodukt, dessen Zusammensetzung und Aussehen je nach Anbaugebiet allerdings sehr unterschiedlich sein kann. 1931 extrahierte ein französischer Chemiker erstmals die Stevioglykoside, diese sind ca.200-350 mal süßer als unser Haushaltszucker, ohne Kalorien zu haben! Hört sich eigentlich ganz gut an, oder?

Warum schmeckt Stevia so süß?

Für die extreme Süßkraft sind hauptsächlich Steviosid und Rebaudiosid-A verantwortlich. Sie haben jedoch einen lakritzartigen, leicht bitteren Beigeschmack. Nun sind wir schon mitten in der Chemie. Bei den Stevioglykosiden kann von Natur oder Natürlichkeit nicht mehr geschrieben werden. In sehr aufwändigen technischen und chemischen Verfahren werden die Stevioglykoside aus dem Steviablatt herausgelöst, mit Harz entfärbt, konzentriert und zu einem pulvrigen Extrakt verarbeitet. Es liegt jetzt ein Süßungsmittel vor, das nach jahrzehntelanger Prüfung die Zulassung im Dezember 2011 durch die EFSA* als Zusatzstoff unter der Bezeichnung E960 in der EU erhalten hat. Steviaextrakt, Stevioglykosid und E960 ist vollkommen anders als das Blatt der Steviapflanze. Mit dieser Zulassung wurden auch Höchstaufnahmemengen (ADI-Werte) festgelegt, die bei nur vier Milligramm pro Kilo Körpergewicht liegen (zum Beispiel 280 mg bei 70 kg Körpergewicht). Das ist sehr wenig. Diese Menge kannst du schnell erreichen. Was eine Überdosierung bewirkt, ist noch nicht genau bekannt. Steviaglykoside findest du inzwischen in vielen Produkten. Dazu zählen Erfrischungs- und Colagetränken, Joghurt sowie Kaugummi. Die Industrie darf bei Erfrischungsgetränken maximal 1/3 des Zuckers durch „Stevia“ ersetzen. Daher ist vielleicht in der neuen grünen Cola soviel normaler Zucker zusätzlich drin. Für mich verträgt sich Fitness und Gesundheit eher nicht mit Chemie! Übrigens: in BIO-Produkten ist die Verwendung von Stevia untersagt.

* EFSA ist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, sie prüft und bewertet Lebensmittel als unabhängige Institution in Europa.

Foto © Mehmet Hilmi Barcin

Novel-Food in der EU: Warum ist Zucker in der Stevia-Cola?

Das natürliche Steviablatt gilt gemäß der europäischen Verordnung als Novel-Food. Dazu gehören „neuartige Lebensmittel“,  zum Beispiel aus anderen Kulturkreisen, für die besondere Kennzeichungspflichten gelten. Die Unbedenklichkeit von Stevia ist noch nicht belegt und das Steviablatt ist
bisher in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen! Nun will uns aktuelle Werbung Natürlichkeit sowie ein glücklicheres Leben durch steviagesüßte Produkte suggerieren. Tun wir uns durch den Verzehr stevioglykosidhaltigen Lebensmitteln wirklich etwas Gutes oder nur der Industrie?

Schau genau hin, wie viel „Stevia“ und zusätzlicher Zucker drin ist. Erst mit der Reduzierung der Süßschwelle sind wir auf dem Weg zur gesünderen Lebensweise. Und Süßen geht auch anders, beispielsweise mit süßen Früchten wie Datteln, Rosinen, Säften oder Honig. Wobei auch hier für mich gilt: weniger ist mehr!

Ich persönlich halte es mit den Zutatenlisten bei Lebensmitteln folgendermaßen: Wörter, die ich nicht sofort lesen, verstehen oder aussprechen kann und was ich nicht als Nahrungsmittel erkenne, vermeide ich gemäß dem Spruch: Du bist, was Du isst.

Ich betrachte Gesundheit ganzheitlich und berate in den Bereichen Naturheilkunde, Ernährung und Prävention in einer Heilpraktiker Gemeinschaftspraxis in Gießen.  Mein großes Hobby ist Kochen. Ich optimiere bewährte und neue Rezepte für verschiedene Zielgruppen und biete dazu Kochkurse an.

Fitnessexperte

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Diese Artikel schreiben unsere Experten und Partner: Ob National Fitness Manager Alexander Richter, National Group Fitness Managerin Veronika Pfeffer oder unsere Partner und Ernährungsexperten - lies hier den Expertentipp!