Auch als „Sportrentner“ schwer beschäftigt

Ein Interview mit Schwimmweltmeister Mark Warnecke

Mit 35 Jahren ist er der älteste Weltmeister in der Geschichte des Schwimmsports. Doch nicht nur im Becken hat Mark Warnecke Gold geholt. Auch nach seiner Profikarriere hat er auf dem Trockenen allerhand zu tun. Als studierter Mediziner berät er Spitzenathleten, mit der Gründung seiner eigenen Marke AMSPORT ist er als Unternehmer gefordert. Ganz schon spannend, so ein Rentnerleben.

Vor 10 Jahren hast du bei den Olympischen Sommerspielen in Atlanta über 100 m Brust selbst die Bronzemedaille geholt. Fieberst du mit den deutschen Schwimmern dieses Jahr in Rio ganz besonders mit?

Natürlich, auch dieses Mal habe ich ja viel mit den Sportlern zusammengearbeitet und das macht einen selbst schon etwas kribbelig. Viele Sportler nutzen unsere Kompetenz zum Thema Ernährung. Wir beraten sie, erstellen teilweise komplette Ernährungspläne, fügen wenn nötig sinnvoll unsere Produkte mit hinzu und entwickeln häufig auch, aus den Erfahrungen der Zusammenarbeit mit den Top Athleten resultierende, neue Produkte wie z.B. das HHC Konzept (Anmerkung der Redaktion: Das Konzept ist ein Muskel-Aufbauprogramm von AMSPORT).

Die Besonderheit bei diesen Olympischen Spielen ist aber sicherlich die enge Zusammenarbeit mit Marco Koch sowie meine offizielle Tätigkeit als Trainer im Krafttrainingsbereich mit Dorothea Brandt zu erwähnen. Gerade die intensive Zusammenarbeit mit Doro fordert mir beim Erreichen ihres Traumes einiges an Adrenalin ab. Ich fand es nicht so „belastend“ als ich noch selbst geschwommen bin, diese Erfahrung ist irgendwie neu für mich. Es ist ja bekannt, dass ich, wenn ich etwas mache, dies dann auch mit vollster Leidenschaft tue.

Interview Mark Warnecke

2004 hast du die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Athen verpasst. Woran lag’s und wie bist du mit diesem Rückschlag umgegangen?

Das ist recht kurz zu erklären. Ich habe 2004 schon als Arzt in der Unfallchirurgie im Schichtdienst gearbeitet. 90 Stunden Wochen waren da nicht fremd. Dennoch hatte ich versucht, zwischen den Diensten zu trainieren; es sollten meine letzten, 5. Olympischen Spiele werden. Ich scheiterte dann in der Qualifikation nur ganz knapp, eigentlich auch nur, weil ich nicht ausgeruht in den Wettkampf gegangen bin.

Nachdem du längere Zeit mit Gewichtsproblemen gekämpft hast, hast du kurzerhand deine eigene Ernährungsstrategie entwickelt und über 15 Kilo verloren. Was war der entscheidende Punkt, dass du gesagt hast: Es muss sich etwas ändern?

Ich hatte in knapp drei Monaten 21 kg zugenommen. Der Grund, warum sich etwas ändern musste, war vor allem die eigene Unzufriedenheit. Ich war schon bei zwei Treppen aus der Puste. Ich war ja auch schon als aktiver Sportler nicht das Model „Waschbrettbauch“, den hatte ich gut verpackt drunter, aber so extrem wollte ich auch nicht enden, zumal das nach dem Karriereende ja auch meist erst der Anfang ist. Die Bauchkarriere geht dann ja häufig erst richtig los. Auch jetzt habe ich keinen Waschbrettbauch, aber ein gutes Verhältnis zwischen Lebensqualität, Gesundheit und Fitness.

Interview Mark Warnecke

Die Ernährungsoptimierung basiert auf der anabolen Wirkung von Aminosäuren. Was hat es damit auf sich?

Das ist nur ein Teil. Die Ernährungsumstellung basiert auf einer Kalorienreduktion. Man muss weniger Kcal zu sich nehmen als man verbrennt, prinzipiell ist es egal wie man das erreicht. Weil ich zu diesem Zeitpunkt schon über 10 Jahre bei mir und vielen Sportkollegen mit Aminosäuren experimentierte, kam mir die naheliegende Idee, die Ernährung mit Aminosäuren zu optimieren. Neben dem Zellschutz sollten vor allem die wichtigen Strukturen in der katabolen Phase geschont und somit die Umstellung effektiver werden.

Wir haben das bis heute bei sehr, sehr vielen Sportlern und Patienten angewendet, mit teilweise unglaublichen Ergebnissen. Sehr viel Wert legen wir mittlerweile in der Ernährungsstrategie auch auf die Darmflora, die wir zusätzlich mit einem sehr guten Präbiotikum unterstützen. Diese Strategie ist übrigens nicht zu vergleichen mit Diäten, die das aus der Tierfütterung bekannte Sojaschrot als Eiweißbasis verwenden. Soja vermeiden wir soweit möglich.

Bei den Schwimmweltmeisterschaften 2005 in Montréal hast du dann prompt die Goldmedaille über 50 m Brust gewonnen, obwohl deine sportliche Karriere eigentlich schon als beendet galt. Wie erinnerst du dich an diesen unerwarteten Erfolg?

Prompt geht so etwas nicht. Es geht nur mit einem Plan und sehr viel Einsatz. Überrascht war ich im Frühjahr, als ich mit „neuer“ Figur zu den Deutschen Meisterschaften fuhr. Alle Diätversuche, die ich in den Jahren zuvor unternahm, haben mich immer geschwächt. Jetzt hatte ich tatsächlich fast einen Waschbrettbauch und war in Top Form. Ich war nicht schneller als früher, aber ich war auch 35 Jahre alt und das war eine Leistung.

Als ich mich dann mit Weltjahresbestzeit für die WM qualifizierte, war der Plan zu gewinnen geboren. Nur durch etwas Übermotivation im Vorbereitungstraining waren die Rennen bei der WM alles andere als einfach für mich. Gewonnen am Tag des Finales hat meine Erfahrung, nicht die Tagesform. Meine Gegner waren 10-17 Jahre jünger als ich, da war Taktik im Rennen und nonverbale Kommunikation vor dem Rennen ein entscheidender Faktor.

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Nicht nur für Profis eignet sich das Training im Wasser. Welche Körperpartien werden beim Schwimmen konkret trainiert und für wen macht ein solches Training Sinn?

Beim Schwimmen trainiert man jede Körperpartie und auch Menschen mit orthopädischen Problemen können häufig noch schwimmen, weil das Wasser ja auch entlastend wirkt. Brustschwimmen bei Rückenschmerzen ist allerdings nicht optimal.

Wichtig beim Schwimmtraining ist, dass man auch hier die Belastung variiert und nicht nur einfach so durchschwimmt. Serien mit kurzen Pausen zwischendurch, dafür aber mit höherem Tempo sind empfehlenswert.

Profisportler greifen zur Leistungssteigerung häufig zu Nahrungsergänzungsmitteln. Können Hobbysportler bereits mit einer ausgewogenen Ernährung ihr Training optimieren und wie kann man diese gestalten?

Die Grundlage jedes Einsatzes von Nahrungsergänzungen ist die Normalernährung. Erst wenn man versucht, sich ausgewogen zu ernähren, macht eine Ergänzung Sinn. Falsch ist allerdings die Meinung, dass Leistungssportler per se gut ernährt oder beraten sind.

Häufig trainieren gerade Freizeitsportler so, dass Nahrungsergänzung auch da Sinn macht. Die Gesamtbelastung und der Stress durch Beruf und Sport sind gerade bei motivierten Freizeitsportlern extrem hoch.

Der Leistungssportler unterscheidet sich häufig vom Breiten- und Freizeitsportler, weil er genau weiß, wann er eine Pause braucht. Der Luxus einer Pause bleibt einem berufstätigem sportlich Aktiven aber oft verwehrt.

Interview Mark Warnecke

Du hast deine Schwimmkarriere 2007 beendet. Kurz vor den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008. Warum?

Weil ich mit 37 Jahren keinen Antrieb mehr hatte, gewinnen zu wollen. Nach dem Vorlauf bei den Deutschen Meisterschaften 2007, wo ich mich als Schnellster für den Endlauf qualifizierte, merkte ich, dass die Flamme in mir, unbedingt gewinnen zu wollen, nur noch ganz schwach loderte. Zum Endlauf habe ich mich dann abgemeldet und als Sportrentner den anderen zugeschaut.

Ein ganz anderer Sprung ins kalte Wasser: Die Gründung der eigenen Firma mit der Marke AMSPORT. Hattest du Angst, dass du scheitern könntest?

Klar, aber die Lust dass zu machen, was ich schon über 10 Jahre früher nur für mich begonnen hatte, war größer. Bis heute liebe und lebe ich was ich tue.

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Hat der Geschäftsmann Mark Warnecke dabei vom wettkampferfahrenen Sportler profitiert?

Ich denke schon, aber ich stehe mir auch dadurch oft im Weg. Ich bin kein bullischer Verkäufer oder Zahlenjongleur. Wir forschen und entwickeln viel und geben Unmengen für hochwertige Rohstoffe aus, was der Kunde in der Regel nicht weiß oder sieht.

Selbst erfahrene Trainer, die Nahrungsergänzungsmittel empfehlen und als Ernährungsberater tätig sind, raten häufig zu Produkten, die absolut „günstig“ in der Rohstoffqualität sind. Das zeigt, dass unser Qualitätsanspruch nicht unbedingt optimal fürs Geschäft ist. Aber da bleiben wir professionell und werden nichts dran ändern.

Pia

Pia

Ich bin bei Fitness First als Online Content Editor dafür zuständig, dass du stets top informiert bist. Ob es um die neuesten Trainingsmethoden, Ernährungstrends oder die heißesten News aus unserem Unternehmen geht, hier im Blog erfährst du es zuerst. Ich selbst liebe auspowernde Kurse wie BodyFit oder deepWORK™. Zusammen mit meinem Ausdauertraining an der frischen Luft, bereite ich mich so regelmäßig auf Herausforderungen wie einen Halbmarathon oder das Spartan Race vor.