Blogautor Julia

Sport trotz oder gerade wegen Multipler Sklerose

FFA-Absolventin & Fitnesstrainerin Chantal über ihr Leben mit MS – Teil 2

Der Vertrieb, das war lange Zeit Chantal Hörhammers Steckenpferd. Sie ist eigentlich gelernte Schmuckfachverkäuferin, bevor sie 2006 bei Fitness First (damals noch Fitness Company) in Kaiserslautern als Sales und Promotion Mitarbeiterin einsteigt. Fünf Jahre später, 2011, wechselt sie auf den Posten der Empfangsleitung. Es ist das gleiche Jahr, in dem sich Chantals Leben durch einen herben Einschnitt um 180 Grad drehen wird: Sie erkrankt an Multipler Sklerose.

Heute – sieben Jahre später – hat Chantal gelernt, mit der Krankheit umzugehen, ihr mit einem fast schon trotzigen Optimismus die Stirn zu bieten. Mittlerweile ist sie nur noch zu 50 Prozent am Empfang tätig. Die andere Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringt sie damit, den Mitgliedern ihres Clubs einen großen Teil ihrer positiven Grundeinstellung als Fitnesstrainerin mit auf den Weg zu geben.

Dass Chantal heute als Trainerin arbeiten kann, verdankt sie unter anderem der Fitness First Academy. Hier hat sie 2017 als eine der ersten Absolventinnen die Fitness Trainer B Lizenz abgeschlossen und hat seit diesem Jahr nun auch die A Lizenz in der Tasche.

Es ist eine Geschichte, die beeindruckt und bewegt. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, mit Chantal zu sprechen – über ein Leben mit MS, über den Weg von der Verkaufs- auf die Trainingsfläche, über Familienzusammenhalt, Durchhaltevermögen und einen schier unbeugsamen Optimismus.

Interview – Teil 2

Du arbeitest bereits seit 2006 bei Fitness First. Damals hast du im Sales-Bereich angefangen, dann als Empfangsleitung weiter gemacht. 2017 hast du dich dann bei der Fitness First Academy (FFA) für die Fitness Trainer B Lizenz angemeldet und mittlerweile hast du neben dieser auch die A Lizenz absolviert. Was hat dich damals dazu bewogen, dich bei der FFA anzumelden und Fitness Lizenzen zu machen?

Ich hatte Mitte 2016 eine kurze, krankheitsbedingte Vertretung auf der Fläche und dachte mir: „Mensch, solch ein Kleingruppentraining, das würde ich auch hinkriegen!“ Ich stehe hier ja am Empfang direkt neben der freestyle-Fläche und habe schon oft zugesehen, wie die Kollegen das machen. Und darüber hinaus trainiere ich ja auch selbst viel.

Mike Grundei, heute FFA-Ausbilder in Frankfurt und Köln, hatte mir zum damaligen Zeitpunkt dann eine Lizenz-Ausbildung im Fitnessbereich nahegelegt und meinte, ich solle mir das mal durch den Kopf gehen lassen – da käme demnächst was cooles Neues von Fitness First auf den Markt.

Manchmal braucht´s einen (Denk-)Anstoß von außen, um etwas Neues zu wagen – in diesem Fall war es Master Trainer und FFA-Ausbilder Mike Grundei (Mitte), der Chantals Karriere auf der Trainingsfläche ins Rollen gebracht hat

Und dann fängt man halt an, darüber nachzudenken: Ob das wohl was bringen könnte, man ist ja schließlich auch nicht mehr das jüngste Pferd im Stall… Und als Mike dann irgendwann nochmal anrief und mich fragte, ob ich mich schon entschieden hätte, meinte ich: „Ja, ich mach´s!“

Im Februar 2017, direkt nach dem offiziellen Start der FFA, hab ich mich dann für die Lizenz angemeldet. Ich glaube, ich war eine der allerersten Absolventinnen.

Hättest du auch wenn du nicht für Fitness First gearbeitet hättest, darüber nachgedacht, eine Fitness Lizenz zu machen?

Ja, auf jeden Fall! Sport hat mich schon immer interessiert. Ich habe auch mal, als ich bereits erkrankt war, an einer Studie Sport und Bewegung mit MS teilgenommen und habe im Zuge dessen gesehen, wie man sein Befinden mit Hilfe von Sport verbessern kann. Insofern wäre ich wahrscheinlich früher oder später auch ohne Fitness First über den Gedanken, eine Fitnesslizenz zu absolvieren, gestolpert.

Hast du dich eigentlich, nachdem Mike dich auf die FFA aufmerksam gemacht hatte, auch noch nach anderen Anbietern erkundigt?

Nein. Für mich war von vornherein klar, dass ich die Lizenzen vor allem aufgrund der umfassenden, persönlichen Betreuung bei der FFA machen möchte. Mike Grundei, Sascha Linz als Leiter der FFA, Niehls Kahlert, der Ausbilder, bei dem ich meine A-Lizenz gemacht habe oder auch Jasmin Ziemann, die für jede administrative Frage jederzeit für mich da war – all diese Menschen sind Gründe, weshalb ich mich auch immer wieder für die FFA entscheiden würde. Man hat hier halt direkte Ansprechpartner und es ist einfach toll, dass man während der gesamten Ausbildung inhaltlich und persönlich so gut betreut wird. Insofern kann ich die FFA auch jedem wärmstens ans Herz legen, der darüber nachdenkt, sich im Fitnessbereich weiterzubilden.

Es zeugt von einem ganz schönen Biss und starken Willen, mit bzw. trotz deiner Erkrankung gleich zwei anspruchsvolle Fitness Lizenzen erfolgreich abzuschließen. Was hat dir dabei geholfen, am Ball zu bleiben und die Weiterbildungen voll durchzuziehen?

Auf jeden Fall meine Kollegen vor Ort. Die haben mich immer wieder gepusht – auch oder gerade wenn ich mal wieder einen Durchhänger hatte. Meine Clubmanagerin hat mir außerdem die Freiheit gegeben, auch mal in andere Clubs zu fahren, um den Kollegen dort über die Schulter schauen und von ihnen lernen zu können.

Und natürlich war auch mein Mann eine große Unterstützung. Der musste immer darunter leiden, dass ich alles an ihm ausprobiert habe, was ich neu gelesen bzw. gelernt habe. Er war quasi mein Versuchskaninchen und hat dadurch im Grunde die halbe Lizenz mit absolviert. (lacht)

Wirst du denn noch weitere Ausbildungen oder Workshops an der FFA absolvieren? Und falls ja, welche und warum?

Ja, die nächste Ausbildung ist auch schon gebucht – und zwar mache ich den Rehab-Workshop, bei dem es um sportliche Betätigung in Verbindung mit bestimmten Krankheitsbildern geht. Generell finde ich dieses Themenfeld und alles, was damit zu tun hat, unheimlich spannend. Gerade weil ich ja selbst auch betroffen bin.

Und auf die Group Fitness Lizenz, die jetzt im November kommen wird, hab ich auch schon einen Blick geworfen. Ich habe in dem Bereich bereits erste Erfahrungen durch Vertretungen sammeln können und das Training in und mit der Gruppe macht mir einfach unglaublich viel Spaß. Darüber hinaus sehe ich in dieser Lizenz auch eine gute Möglichkeit, mich weiterbilden und mir ein zweites Standbein aufbauen zu können.

Du möchtest Fitnesstrainer werden oder dein bereits vorhandenes Fitness-Know-how um Themen wie Functional Training, rehabilitative Trainingskonzepte oder Sport-Ernährung ergänzen? Dann könnten die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten der Fitness First Academy genau das Richtige für dich sein!

Du bist heute wahnsinnig sportlich unterwegs. Hast du auch vor deiner Erkrankung schon viel Sport getrieben?

Sport habe ich auch schon vor MS betrieben – aber nicht so intensiv wie seit der Diagnose. Ich war eigentlich immer mehr der Typ Durchschnittssportler, bin ab und an ins Fitnessstudio gegangen, bin hier mal für eine Runde aufs Rad, hab da mal ein bisschen Krafttraining gemacht und ab und zu hab ich auch mal einen Kurs besucht. Aber regelmäßig oder zielführend war das nicht…

Sport ist heute ein fester Bestandteil in Chantals Leben.
Neben dem regelmäßigen Fitnesstraining im Club,  testet sie sich und ihre Grenzen immer wieder auch in diversen (Hindernis-)Läufen aus.

Mittlerweile hast du dein sportliches Leben ja offensichtlich ganz schön aufgewertet und arbeitest sogar selbst als Fitnesstrainer. Würdest du auch anderen MS Betroffenen raten, (mehr) Sport zu treiben?

Ja, definitiv – Sport und Bewegung tun bei dieser Krankheit einfach gut! Sowas wie Pilates zur Stärkung oder Yoga zur Entspannung kann beispielsweise schon sehr hilfreich sein, um typischen Symptomen von MS wie Gleichgewichtsstörungen oder Koordinationsproblemen entgegenwirken zu können. Und dann hilft natürlich auch Krafttraining jeglicher Art ungemein. Bei Ausdauertraining würde ich anderen Betroffenen raten, immer in einem gesunden Maß zu trainieren.

Ein an MS Erkrankter sollte grundsätzlich immer darauf achten, was er sich zumuten kann und was nicht. Das ist bei jedem anders, sodass man die sportliche Betätigung immer ans individuelle Level und Empfinden anpassen sollte. Im Grunde kann ein MS-Betroffener aber jede Sportart ausprobieren, auf die er Lust hat – er sollte dabei nur auf seinen Körper hören. Denn letztlich sagt dein Körper dir, was dir gut tut und was nicht.

Mir hat man zum Beispiel am Anfang gesagt, ich dürfe nicht in die Sauna gehen – Hitze sei der größte Feind der MS Erkrankung. Heute gibt es für mich nichts schöneres, als drei Saunagänge zu machen und vorher vielleicht noch eine Runde Sport gemacht zu haben. (lacht) Genauso bereite ich mich gerade auf meinen ersten Marathon vor, den ich 2020 in einem Zeitfenster von sechs Stunden laufen möchte. Hätte ich direkt nach meiner Diagnose das Wort Marathon in den Mund genommen, hätte mich vermutlich jeder ausgelacht und für verrückt erklärt.

Die Diagnose Multiple Sklerose trifft Erkrankte häufig wie ein Schlag. Wie Chantal von ihrer Krankheit erfahren hat und wie sich dadurch ihr Leben verändert hat – darüber spricht sie im 1. Teil ihres Interviews: 

Und plötzlich war sie da – Diagnose: Multiple Sklerose

An MS erkranken und es dennoch schaffen, den Kopf oben zu halten – im 3. und letzten Teil ihres Interviews verrät Chantal, warum Optimismus und ein offener Umgang mit ihrer Krankheit so wichtig sind:

Mut bedeutet: Aufstehen, Krone richten, weitergehen.

Auch du bist von Multipler Sklerose betroffen? Welche Erfahrungen hast du mit Sport und Bewegung vor dem Hintergrund deiner Erkrankung gemacht? Gibt es Sportarten, die dir besonders gut tun? Hinterlasse uns gerne einen Kommentar unter diesem Beitrag und gib damit auch anderen Betroffenen Tipps und Inspirationen für ihren sportlichen Alltag.

Julia Seebeck

Gebürtiges Nordlicht | Verguckt in MUC | Mag Laufsport, Fitness, Reisen & gutes Essen | Verantwortet bei Fitness First Germany u.a. die digitale Kommunikation vom #Mutcamp, den Geschäftsbereichen Firmenfitness, HR und der Fitness First Academy