Gastbeitrag

Alexander Richter, Head of Product & Innovation

Der Trainer der Zukunft

Qualifikationen und Fähigkeiten der Personal Trainer von Morgen

Ob Digitalisierung, therapeutische Lehre oder die Erwartungshaltung der Klienten – die Trainer-Ausbildung hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. Was braucht der Trainer 2018 und wie macht er sich fit für die Zukunft?

Vor 20 Jahren herrschte häufig noch die Auffassung, Personal Training sei nur etwas für Promis. Heute haben wir eine bessere Aufklärung, vor allem in den Städten. Das erkennt man auch daran, dass immer mehr Fitnessclubs ihr Personal-Training-Angebot bei allen Mitgliedern bewerben. Zugleich ist die Bereitschaft, für Qualität zu zahlen, gestiegen – Fitness nimmt bei den Deutschen einen hohen Stellenwert ein. Bei Fitness First beispielsweise ist der Anteil von Personal Training in den letzten Jahren von 4,5 Prozent auf 11 Prozent angestiegen. Das Potenzial wird sogar auf bis zu 70 Prozent geschätzt – vorausgesetzt, das Angebot stimmt.

Was heute von Trainern erwartet wird

Für ihr Geld fordern die Klienten allerdings auch eine entsprechende Leistung ein, gerade vom Personal Trainer: Wiederholungen zählen und nebenbei mit dem Smartphone spielen, ist tabu. Der Trainer sollte das Programm ganz genau auf die Ziele und Bedürfnisse des Klienten zuschneiden, die Tagesform berücksichtigen, Erfolge messen und auch generell die nötige Fitness-Expertise mitbringen. Die Klienten hinterfragen heute mehr und bemerken starres, eindimensionales Denken beim Trainer. Es ist naheliegend, dass mit dem Zuwachs an Millennials (18- bis 37-Jährige), die sich viel online informieren, der Anspruch an holistisches Coaching steigen wird. Denn in der wissenschaftlichen Forschung hat sich in den letzten Jahren viel getan – in der Folge ist auch das Bewusstsein der Klienten für den Zusammenhang zwischen Lebensführung und Gesundheit gestiegen.

Trainer der Zukunft

Sie stellen mehr Ansprüche an eine gesundheitsfördernde ganzheitliche Behandlung. Der Trainer sollte sich daher möglichst neben der Bewegung auch den Lebensstil und den Arbeitsalltag der Klienten ansehen und für den Trainingsplan miteinbeziehen.

PTs sollten außerdem in der Lage sein, budgetäre Empfehlungen auszusprechen, nach dem Motto: Zweimal im Monat Personal Training ist für meinen Klienten besser als gar nicht – was braucht er und was hat er dafür zur Verfügung? Statt maximalem Profit steht so die langfristige Kundenbeziehung im Fokus. Allerdings verlangt dieser Ansatz dem Trainer mehr Beratungs- und Konzeptionierungsleistung ab. Was sich hingegen nicht geändert hat: Der Trainer muss nicht nur motivieren, sondern auch zuhören können, denn nur so kann er die Ziele seiner Klienten erfahren – ob es um Abnehmen, Kräftigen oder einfach den Kontakt zu einer Vertrauensperson geht.

Trainer der Zukunft

Der Digitalisierung begegnen

Zunehmend setzen Trainierende Wearables ein, um ihr Workout zu tracken, doch wie groß ist der tatsächliche Nutzen? Die Technologie ist noch zu umständlich, vieles muss manuell eingegeben oder gestartet werden und es fehlen technische und rechtliche Voraussetzungen, um die Daten aus verschiedenen Apps zusammenzuführen. Der Trainer kann anhand der getrackten Daten seiner Klienten nicht nachvollziehen, in welcher Bewegungsqualität und welchem Bewegungsumfang dieser trainiert hat, wie genau Kniebeugen ausgeführt wurden und ob geschummelt wurde – viele Tracker lassen sich überlisten. Bisher sind sie allenfalls als Anregung geeignet, um die Klienten auch außerhalb der Trainerstunden aktiv zu halten. Immerhin gaben in einer Studie 57 Prozent der sportaffinen Deutschen an, dass es sie motiviert, wenn sie ihre sportlichen Fortschritte über eine App oder ein Fitnessarmband tracken – sogar mehr Frauen (60 Prozent) als Männer (50 Prozent). (*Motivationsstudie von Innofact 2017 im Auftrag von Fitness First.)

Bei individuellen Faktoren wie Geschlechterunterschieden oder persönlichen Trainingszielen sind unsere Technologien zu ungenau, insofern wird es – falls überhaupt – noch lange dauern, bis der Trainer durch eine App auch nur ansatzweise ersetzt werden könnte. Den menschlichen Kontakt kann die Technik in keinem Fall ersetzen. Innerhalb der nächsten zehn Jahre könnten sich aber der Stand der Technik und die Erwartungshaltung der Klienten an den Einsatz digitaler Trainingshelfer ändern.

Potenzial sehe ich beispielsweise beim Bodyscanner, der vereinzelt schon eingesetzt wird beim Thema Abnehmen (Messung des Körperumfangs). In den USA wird an Technologien zur Überprüfung der Körperhaltung und der Bewegungsabläufe gearbeitet, und zwar in 3D und sogar via Smartphone, was bei der Visualisierung für den Klienten tolle Möglichkeiten bietet. Mit Virtual-Feedback-Geräten kann der Trainer schon heute seine Workouts zielgerichteter konzipieren – und so noch bessere Ergebnisse erhalten.

Während die Möglichkeiten beim Training durch die Digitalisierung bis dato eher überbewertet werden, sind die Lösungen für das Organisationsmanagement eine große Hilfe. Online-Bookingtools ermöglichen es, beispielsweise Personal-Training-Stunden in der Kleingruppe besser zu managen. Außerdem gibt es Programme für Finanzen und Rechnungen, Planung und Datenverwaltung, die den Alltag erleichtern. Onlineaffine Klienten erwarten geradezu, dass der Trainer auch außerhalb von Kernzeiten erreichbar ist. Eine App wie AskACoach ist praktisch, denn es bietet mehr Privatsphäre, wenn für die Freizeit separate Chatanbieter genutzt werden können.

Aktuelle Trends im Trainingsbereich

Nach dem Boom im Niedrigpreissegment seit etwa vier Jahren erobern die Micro Gyms nach den USA nun auch Europa. Für Trainer, die sich für ein Boutique-Konzept interessieren, ist es wichtig, dass sie Persönlichkeit und Leidenschaft mitbringen und den hohen Qualitätsanspruch von Entertainment und Workout erfüllen können. In Zeiten, in denen sich Clubs stark differenzieren und größere Studios Shop-in-Shop-Lösungen anbieten, werden Trainer benötigt, die für die jeweilige Sparte besonders gut passen. Außerdem setzt sich der Trend Kleingruppentraining weiter durch. In den USA und Australien wird schon heute 60 Prozent des Umsatzes im Bereich PT mit Kleingruppentraining generiert. Für den Trainer ist nicht relevant, ob die Teilnehmer das gleiche Fitnesslevel haben, sondern die Ziele müssen übereinstimmen. Denn ob sie abnehmen, ihren Körper formen oder Muskeln aufbauen wollen, ob sie für einen Wettkampf trainieren oder sich einfach bewegen möchten, bestimmt den Trainingsplan maßgeblich.

Der Trainer der Zukunft

Die Zusammenführung von Diagnose und Training wird in einem Projekt in München umgesetzt und zahlt auf den Trend der ganzheitlichen Betrachtung des Menschen ein. Hier arbeiten Mediziner, Therapeuten und Trainer zusammen, Arztpraxis und Analysezentrum inklusive MRT sind dem Micro Gym angeschlossen. Bisher gibt es in Deutschland Reha-Modelle im Therapiebereich, insbesondere für Profisportler, jedoch weniger für die breite Masse. Das Modell sollte es aber nicht nur für erkrankte Patienten geben, sondern auch im Bereich der Prävention zugänglich werden. Hierfür wäre es wünschenswert, wenn Studiengänge in der Medizin mehr Spezialisierungsmöglichkeiten inkludiert hätten, beispielsweise eine Kombination aus Medizin und Trainingslehre. Gerade weil der Präventionsansatz so wichtig ist, braucht der Mediziner Wissen über die Trainingslehre. Und der Trainer benötigt medizinisches Fachwissen, um zu erkennen, wo die Symptome ihre Ursache haben oder wie körperliche Beeinträchtigungen entstehen können. Es sollte sich hierzulande noch einiges tun, damit die Expertise eines gut ausgebildeten Trainers anerkannt wird und unser Gesundheitssystem Prävention ohne zu großen Aufwand bei der Beantragung bezuschusst.

In anderen Ländern ist die Abrechnung mit Kassen weit weniger umständlich. In der Schweiz und in Australien, wo Fitnessstudios mit bis zu 900 Euro im Jahr bezuschusst werden, ist daher auch eine andere Prävention möglich. In Schweden wiederum sind mit über zwölf Prozent der Bevölkerung doppelt so viele Menschen Mitglied in Fitnessclubs wie in Deutschland. Hier erhalten Trainer ein höheres Gehalt, je mehr Ausbildungsbausteine sie absolviert haben und je mehr Berufserfahrung sie haben. Möglich wird das durch das schwedische Gesundheitssystem und die Bereitschaft der Schweden, Geld fürs Training auszugeben – in Skandinavien gibt es ein anderes Gesundheitsbewusstsein als in Deutschland.

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Neue Zielgruppen

Die Generation 55+ wird weiter zunehmen. Dementsprechend werden Trainer gefragt sein, die für diese Zielgruppe spezialisiert sind, insbesondere in den Bereichen Prävention, Stabilität und Gleichgewicht. Auf der anderen Seite strömen die Millennials auf den Fitnessmarkt. Sie nutzen digitale Tools, brauchen Modelle, die sie sich finanziell leisten können, und zeichnen sich durch einen starken Individualisierungsdrang aus. Für sie sind Kleingruppen mit Personal Trainer ideal, weil erschwinglich. Andererseits springen sie auf Micro Gyms mit ihren Pay-as-you-go-Lösungen an, zugleich geht hier ihr Bedürfnis nach Trainingserlebnis auf. Sie benötigen eine Betreuung, die informeller, direkter und personalisiert ist. Fürs Tracking sind sie deswegen besonders empfänglich, weil sie gern schnelle und direkte Ergebnisse sehen – außerdem bevorzugen sie Gamification im Alltag. Diese Zielgruppe erreicht man besonders gut über digitale Kommunikationswege.

Wie macht sich der Trainer für die Zukunft fit?

In der Welt des schnellen Internets, wo jeder von allem ein bisschen weiß, wird vom Trainer Wissen und Rat erwartet. Gerade bei Trends, die die Klienten aufschnappen. Der Trainer sollte sich darüber klar sein, was er kompetent beantworten kann und an welchen Stellen er sich erst informieren muss, bevor er weiterhelfen kann. Deswegen ist es wichtig, sich ein gutes Experten-Netzwerk für Kooperationen aufzubauen, beispielsweise mit Kollegen, Ärzten und Fachgeschäften, oder auch Ernährungsberatern, Osteopathen oder Physiotherapeuten, je nach der eigenen Spezialisierung. Geeignet zum Netzwerken sind auch Fachmessen. Zudem ist die Aus- und Weiterbildung elementar. Ich rate jedem, sich gut über sein Ausbildungsinstitut zu informieren und sich Gedanken zu machen, welche Ziele er verfolgt, was er dafür braucht und wo er alles Nötige dafür erhält. Es gibt auch Mentorenprogramme, um die eigene Philosophie zu definieren, einzelne Trainings- und Behandlungsbausteine anzueignen und Schwerpunkte festzulegen. Die regelmäßige Weiterbildung macht es möglich, in seinem Gebiet fit zu bleiben und sich eine eigene Strategie sowie Kernkompetenzen aufzubauen. Eine Kombination aus Weitblick, was auf dem Markt passiert, und Spezialisierung, das stärkt den Berufsstand Trainer und verhilft ihm zu Ansehen.

Dieser Artikel erschien in der TRAINER-Ausbildungsbeilage im Januar 2018.

Fitnessexperte

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Diese Artikel schreiben unsere Experten und Partner: Ob National Fitness Manager Alexander Richter, National Group Fitness Managerin Veronika Pfeffer oder unsere Partner und Ernährungsexperten - lies hier den Expertentipp!