Gastbeitrag

Sara, Head of Online Marketing Fitness First

Allein unter Männern

Ein Triathlon Tagebuch Teil 5

Triathlon Tagebuch Teil 5

Ein paar von Euch haben mich und meine Blogartikel bestimmt schon vermisst. Naja, ein Großteil von Euch hat die lange Zeit vielleicht auch gar nicht bemerkt 🙂 so oder so fiel mir dieser Blogartikel besonders schwer. Warum? Ich stecke aktuell in einem absoluten Motivationstief. Wir alle hatten schon unsere Ups and Downs, aber diesmal traf es mich besonders hart. Starke Knieschmerzen, eine kleine Erkältung und vor allem das Gefühl zu trainieren was das Zeug hält und trotzdem keine Verbesserung zu merken, waren ausschlaggebend dafür. Was heißt waren: ich tu mich immer noch schwer. Im Moment funktionier ich und trainiere auch einigermaßen fleißig. Aber mehr deshalb, weil ich sonst Angst habe am 22. Juli völlig zu versagen 🙂

Was mir gerade wirklich mehr als alles andere hilft, ist die Tatsache, dass ich nicht alleine bin. „Meine“ Männer machen das gleiche durch. Mehr oder weniger stark ausgeprägt oder zu anderen Zeitpunkten. Aber jeder von uns hat so ein Tief schon durchlebt. Blöd nur, dass es mich ein paar wenige Wochen vor meinem eigentlichen Ziel trifft…

Aber was ich Euch vor allem schuldig bin, ist ein Erfahrungsbericht über den kleinen zweiten „Test“-Triathlon vom 17. Juni in Erding. Ihr erinnert Euch. Dominik und ich haben uns ja bereits einen kleinen Test-Triathlon in Oberschleißheim gegönnt. Völlig naiv, unkontrolliert und besonders dilettantisch. Auch hier zum Nachlesen: Teil 3 meines Triathlon Tagebuchs. Aber diesmal waren alle aus der Triathlon-Truppe dabei: Basti, Martin, Sebastian, Dominik und ich.

Triathlon Tagebuch Teil 5

Triathlon Tagebuch Teil 5
Triathlon Tagebuch Teil 5

VOLKSDISTANZ IN ERDING

Mut bedeutet, die schlimmste Nachricht mit Fassung zu tragen.

Wir waren alle hervorragend vorbereitet. Am Vorabend gab es bei jedem von uns „Carbo Loading“ in Form von vielen Kohlenhydraten und der Wetterbericht war auf unserer Seite. 
Völlig motiviert, total aufgeregt und mit etwas mulmigen Gefühl in der Bauchgegend haben wir uns alle am Parkplatz getroffen. Wie kopflose Hühner haben wir uns gegenseitig verrückt gemacht, was wir mitnehmen, was ist wichtig, Sonnencreme oder nicht, nehmen wir den Neoprenanzug mit…? Oh je, könnte es ein Neoprenanzug-Verbot geben? Diese Frage zu klären war gefühlt das Wichtigste an diesem Morgen.

Für alle Nicht-Kenner des Triathlon Sports: es gibt eine maximale Wassertemperatur, bei der ein Neoprenanzug gestattet ist. Und dieser  Neoprenanzug ist fast schon überlebensnotwendig für Anfänger. Auch für manche Fortgeschrittene. Aber es ist keine Option überhaupt darüber nachzudenken beim ersten (bzw. zweiten) Triathlon keinen Neo zu tragen… und wenn die Schwimmstrecke noch so kurz ist. Neoprenanzüge geben Auftrieb und gleichen eine schlechte Schwimmleistung bzw. Wasserlage aus. Und glaubt mir, das ist bitter nötig.

Vor allem Basti und Sebastian haben sich recht schnell mit ihrem möglichen Schicksal arrangiert (Basti ist mit Abstand der beste Schwimmer in unserer Gruppe und Sebastian hat sein Training komplett auf „Nicht-Neo“ ausgelegt und war entsprechend vorbereitet), aber Martin, Dominik und ich waren fassungslos, als ein netter Herr auf uns zu ging, auf unsere Anzüge in der Hand deutete und meinte: „Jo, die kennts im Auto lassn. Die werds net braucha kenna.“ (Übersetzung Bayerisch – Hochdeutsch: Neoprenverbot! Das Wasser ist zu warm!)

Puh, diese Nachricht traf uns hart. Aber was hilft´s?

Triathlon Tagebuch Teil 5

Mut bedeutet, „Augen zu und durch“.

Wir schlüpften also alle in unsere hautengen Triathlonanzüge und haben uns vor Ort erstmal umgeschaut. 

Check-In und Startnummernausgabe liefen reibungslos (den kleinen Sturz quer über ein paar Fahrräder von unserem kleinen Schussel Sebastian lassen wir mal außen vor. Nichts passiert. Hinfallen, Aufstehen, Krönchen richten 🙂 ) und wir machten uns auf zur Wechselzone, um unsere Räder und das restliche Equipment aufzustellen. Jeder hat sein eigenes System entwickelt, wie es wohl am besten, schnellsten und effektivsten ist. Ich kann Euch sagen: am Ende ist es total egal. Es wird immer hektisch in dieser Wechselzone.

Gut, dass wir noch ein bisschen Zeit mitgebracht haben. So konnten wir uns vor Ort ein super Bild machen, die kleinen Kids beim Triathlon beobachten (die ziehen das schon im zarten Grundschulalter durch) und uns mal ganz genau anschauen, wie das so organisiert ist. Und hier mal ein großes Lob an die Organisatoren (speziell dieses Triathlons, aber auch jedes anderen).

Die Orga ist wirklich bemerkenswert. Meist gibt es Vollsperrungen auf den Straßen für die Radstrecken. Außerdem ist es häufig so, dass sich die Wechselzone von Schwimmen auf Rad ganz woanders befindet, als die Wechselzone von Rad zu Laufen oder der Endpunkt ganz woanders als der Startpunkt ist und Wechsel-Klamotten von den Teams vor Ort transportiert werden. Wirklich Respekt, welche organisatorische Leistung dahinter steht. Und trotzdem mit viel guter Laune und Spaß an die Sache ran gegangen wird. Aber gut, die Herrschaften müssen auch nicht antreten 🙂

Wir schon. Daher haben wir uns langsam bereit gemacht, sind kurz ins Wasser gesprungen, um uns nochmal vorher einzuschwimmen und haben uns Richtung Start aufgemacht. Meine Jungs hatten alle gelbe Badekappen (Tragepflicht vom Veranstalter) und ich hatte eine lilafarbene (die übrigens hervorragend zu meinem Triathlon-Einteiler passte 🙂 ). Und schon ging´s los. Ich habe mich von allen verabschiedet (Frauen starten nämlich in einer anderen Startwelle) und natürlich viel Glück gewünscht.

Triathlon Tagebuch Teil 5
Triathlon Tagebuch Teil 5

Mut bedeutet, diesmal allein unter Frauen zu sein.

Jetzt war ich allein. So richtig allein. Meine Jungs haben sich für den Start aufgestellt und ich stand da, umzingelt von anderen lila Schwimmhauben. Ringsum standen gefühlt nur durchtrainierte hochprofessionell anmutende Frauen, die darauf warteten, bis es endlich losgeht. Wir Damen sind dann ein paar Minuten nach den Männern gestartet.

Ich glaube das war der erste Rückschlag für Dominik, als er auf der Schwimmstrecke dann tatsächlich von einer lila Badekappe überholt wurde. Aber so ist nun mal das Spiel. Das macht diesen Sport so faszinierend und gleichzeitig auch so auf den Boden der Tatsachen bringend. Profis und Rookies teilen sich die Strecke. Klar, die absoluten Weltstars starten meist vor allen anderen. Aber dass man sie auf der Strecke dann trotzdem wieder sieht, kann bei Rundkursen durchaus sein. Naja, bei dieser kurzen Distanz haben wir mit keinen berühmten Triathleten gerechnet 🙂

Mut bedeutet, anzukommen, no matter what.

Wir haben es alle geschafft. Teilweise ganz schön abgeschlagen und teilweise glücklich, dass es vorbei ist.

Basti war unser absoluter Vorreiter beim Schwimmen. Mit einer absolut großartigen Zeit ist er aus dem Wasser gestiegen. Gut, und Dominik als Letzter. Aber was er dann beim Laufen wieder rausgeholt hat, war eine absolute Bestleistung. Er hat es sich nicht nehmen lassen so Gas zu geben, dass er die verlorene Zeit wieder rein geholt hat. Aber auch beim Radfahren waren alle nah beieinander und haben tolle Ergebnisse erzielt. Sebastian ist in allen Disziplinen wirklich solide und hat tolle Zeiten geschafft. Und auch das Laufen, was mich und Martin vor unsere größte Herausforderung gestellt hat, haben wir gemeistert – und das nach den Kilometern auf dem Rad in den Beinen. Martin hat noch eine besondere Bestzeit geschafft – er war der Wechselzonenkönig im umgekehrten Sinne. Wir sind uns alle nicht sicher, ob er sich zwischendrin ne Brotzeit gegönnt hat oder sich auf einen ausgiebigen Ratsch eingelassen hat, aber die Zeit hat er sich genommen 🙂

Triathlon Tagebuch Teil 5
Triathlon Tagebuch Teil 5

Mut bedeutet, auch mal Angst zu haben.

Aber ganz ehrlich! Wie zum Teufel soll das gehen, dass wir bei unserem großen Triathlon sowohl auf dem Rad als auch beim Laufen das Doppelte mit ordentlichen Höhenmetern on top schaffen sollen und beim Schwimmen sogar fast 4 x so viel…? Zum Zeitpunkt des Zieleinlaufs unvorstellbar.

Aber: wir können jetzt erstmal alle mehr als stolz auf uns sein. Wir haben das (zwar kleine) Ding gemacht, wir haben überlebt, das mit Würde und mit noch etwas Luft. Die Belohnung danach haben wir uns mehr als verdient.

Tja, jetzt geht es in die finale Vorbereitung für unser eigentliches Ziel: die Olympische Distanz am Schliersee… Und nochmals zur Erinnerung, es sind über 800 Höhenmeter beim Fahrradfahren zu überwinden und knapp 200 beim Laufen…

Wir sind alle extrem aufgeregt, das kann ich Euch sagen. Unser What´s App Chat platzt aus allen Nähten. Wenn ich mal 2 Stunden nicht drauf schaue, sieht das Ganze so aus: 

Jeder hat sein Päckchen zu tragen und hat vor anderen Dingen Angst (oder wie es die Jungs sagen würden: Respekt, weil Angst haben sie ja nicht 🙂 ). Ein paar Tage nach dem Finishen von Erding habe ich meine Truppe gefragt, ob sich ihre Ursprungsziele für Schliersee verändert hätten. Und was Mut für sie bedeutet. Hier ein kleiner Einblick, wie die Jungs drauf schauen:

(Die ursprünglichen Ziele könnt Ihr auch im  ersten Tagebucheintrag lesen)

Triathlon Tagebuch Teil 5

Mut bedeutet, Ziele zu haben. Auch wenn sie klein wirken.

Martins Ziel: Innerhalb des Zeitlimits durchs Ziel kommen.
„Mut bedeutet, sich einer Herausforderung zu stellen, obwohl man jederzeit scheitern kann.“

Sebastians Ziel: Durchkommen und nicht Letzter werden.
„Mut bedeutet, die Komfortzone zu verlassen.“

Dominiks Ziel: Beim Schwimmen überleben. Und dann mal schauen was geht.
„Mut bedeutet festzustellen, dass die körperliche Schwimmleistung bei 400 Metern schwimmen limitiert ist – aber drauf sch… und einfach die Grenze verschieben 🙂 „

Mein Ziel: Im Zeitlimit ins Ziel kommen, vor allem die Radstrecke stellt mich vor diese Herausforderung.
„Mut bedeutet, das ganze Projekt überhaupt zu wagen…“

Fast allen ging es so wie mir, lieber tiefstapeln, bevor man irgendwas nennt, was man nicht schafft… Außer einer. Basti war mutig genug konkret von Zeiten zu sprechen.

Bastis Ziel: 3h 15min (exklusive Wechsel, das bedeutet 30 – 35 min Schwimmen, 1 h 45 min Radfahren und 50 – 55 min Laufen)
„Mut bedeutet, 3:15 auszusprechen und zu schaffen.“

Respekt. Und das hat die größte Gruppendynamik ausgelöst, die Ihr Euch vorstellen könnt. Alle Männer unter Euch, kennen das Phänomen vielleicht 🙂 wenn einer beginnt, ist man auch dabei. Ich war ziemlich überrascht, was das mit der Gruppe gemacht hat. Das kleine Experiment ist geglückt und jeder hat ein neues Ziel formuliert… Und schon war klar: die Motivation ist da, jeder will was reißen, will was schaffen, auch wenn es vielleicht langsame Zeiten sind, aber jeder hat seine „Hass“-Disziplin, die er überwinden möchte. Alle wollen das Ding rocken.

Mut bedeutet, auch mal „ich hab Euch lieb“ zu sagen.

An dieser Stelle ist eine kleine Liebeserklärung an meine Jungs und an den Gruppen-Chat angebracht: ich werde das nach dem 22. Juli extrem vermissen. Eure Gedanken zu aufgeriebenen Brustwarzen, Ehrgeiz, Lockerroom Talk, völlig unprofessionelle Trainingstipps, Neoprenanzüge mit Eigenleben, Druckaufbau durch Screenshots der extrem harten Trainingseinheiten und kleine Panikanfälle zwischendrin. Allein deshalb dürfen wir nicht mit dem Triathlon aufhören. Abgesehen davon, dass wir uns für viel Geld Triathlon Equipment gekauft haben und sich das irgendwann amortisieren sollte 🙂

Aber die finale Entscheidung wird wohl Jeder von uns erst übernächsten Sonntag treffen.

Also seid gespannt, wie wir uns entscheiden. War es der letzte Triathlon für uns oder geht es für einen Teil von uns weiter? Der nächste Tagebucheintrag handelt von unserem großen Ziel – dem Sixtus Alpentriathlon am Schliersee… und unserer Entscheidung.

Triathlon Tagebuch Teil 5

img_0572_120x120

Trotz Saras Marketing Bürojobs gehört sporteln einfach dazu – oder gerade deshalb. Besonders Kurse wie freestyle, deepWORK® oder bodyART® haben es ihr angetan. Außer am Wochenende: Dann findet man das Münchner Kindl meistens in den Bergen beim Mountainbiken oder Bergsteigen. Und ab und zu erscheint hier eine weitere kleine Leidenschaft – das Schreiben über das, was Spaß macht.

Autor

Gastblogger

Gastblogger

Lass dich von unseren Gastbloggern inspirieren. Ob Isa und Laura von Run Munich Run, Anne von Asanayoga, Jil Hagen oder unsere eigenen Mitarbeiter hier bei Fitness First: Sie alle teilen hier mit dir ihre Erkenntnisse und Erlebnisse rund um Training, gesundes Essen und Lifestyle. Voller Leidenschaft und definitiv #mehralsfit!