Gastbeitrag

Anne Steinbach, ASANAYOGA

Yoga als olympische Disziplin?

Heute starten in Rio die Olympischen Spiele und alle werden wieder gebannt vor dem Fernseher sitzen. Ob Rugby, Badminton, Basketball, Beachvolleyball oder sogar außergewöhnliche Sportarten wie BMX, Wasserspringen oder Schießen sind dabei. Yoga hat es bisher noch nicht zu den Olympischen Spielen geschafft. Dabei hat diese Sportart eine so lange Geschichte, dass man fast meinen könnte, sie sei bereits seit Jahren bei den Olympischen Spielen dabei. Doch Fehlalarm. Diese Woche fragen wir uns, warum es Yoga als olympische Disziplin noch nicht in diesen Wettkampf geschafft hat. Fehlen uns die Muckimänner?

Passt Yoga zu den Olympischen Spielen?

Jein. Es heißt: „Olympische Spiele (von altgriechisch τὰ Ὀλύμπια ta Olýmpia ‚die Olympischen Spiele‘[1]; neugriechisch olymbiakí agónes ολυμπιακοί αγώνες ‚olympische Wettkämpfe‘) ist die Sammelbezeichnung für regelmäßig ausgetragene Sportwettkampfveranstaltungen, die ‚Olympischen Spiele‘ und ‚Olympischen Winterspiele‘. Bei diesen treten Athleten und Mannschaften in verschiedenen Sportarten gegeneinander an. Organisiert werden sie vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Der Zeitraum zwischen den Spielen wird als olymbiada ολυμπιάδα ‚Olympiade‘ bezeichnet.“

In diesem Sinne hätte Yoga als olympische Disziplin eine Chance, wenn man bedenkt, dass es natürlich ein athletischer Sport ist. Allerdings ist es schwierig, daraus einen Mannschaftssport zu machen bzw. ihn so zu gestalten, dass eine Jury eine Basis für den Vergleich verschiedener Asanas hat und dafür Punkte vergeben kann.

2,6 Millionen Menschen praktizieren laut der Umfrage des Berufsverbandes der Yogalehrer in Deutschland Yoga. Und es werden immer mehr Menschen, die sich dazu entscheiden, Yoga auszuprobieren.

yoga als olympische disziplin

Die meisten Menschen gehen zum Yoga, um einen Ausgleich zu ihrem Alltag zu schaffen, um etwas Sport in ihr Leben zu integrieren, um fitter zu werden und um Rückenschmerzen zu lindern. In dem Buch „Die kleine Yoga Philosophie: Grundlagen und Übungspraxis verstehen“ von Anna Trökes wird die Yoga-Philosophie als ein Mittel angesehen, um festzustellen, was tatsächlich zwischen dir und deinem Glück im Weg steht. Yoga ist als ein Weg der Selbsterkenntnis zu verstehen und je tiefer du in die Materie eintauchst, desto leichter wird es dir fallen, Yoga auch in deinen Alltag zu integrieren und nicht nur auf deiner Matte zu üben.

Welche Kriterien müssen Sportarten bei den Olympischen Spielen vorweisen?

Das Internationale Komitee der Olympischen Spiele hat erst im Jahr 2004 sieben Kriterien festgelegt, anhand derer Sportarten auf ihre Tauglichkeit bei Olympischen Spielen geprüft wird.

Das sind:

  • Geschichte und Tradition der Sportart
  • Verbreitung
  • Beliebtheit
  • Gesundheit der Athleten
  • Entwicklung des zuständigen Sportverbandes
  • Kosten der Ausrichtung

Gerade bei der Geschichte und Tradition kann Yoga als olympische Disziplin ganz sicher punkten. Yoga entstand vor Jahrtausenden in Indien. Die ältesten Schriften Indiens, die Veden, legen Zeugnis ab von den ersten Yoga Übenden.
Zwischen 800 v.Chr. und 200 n.Chr. wurden die wichtigsten klassischen Yoga Schriften wie Upanishaden, Bhagavad Gita und Yoga Sutra niedergeschrieben. Um 800 n.Chr. beschrieb der große Meister Shankaracharya Vedanta, die Philosophie des Absoluten. Das auf der Volksspiritualität basierende Tantra erreichte zwischen dem 6. und 16. Jahrhundert eine Blütezeit. Die wichtigsten klassischen Hatha Yoga Schriften entstanden zwischen dem 8. und 17. Jahrhundert nach Christus.

Durch die Fremdherrschaft persischer und zentralasiatischer Herrscher sowie der englischen Kolonialmacht wurde die Praxis des Yoga seit dem 10./13. Jahrhundert immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Im 19. Jahrhundert begann mit Yoga Meistern wie Ramakrishna Paramahamsa und Swami Vivekananda eine Renaissance.

Seit den 1920er Jahren wurde Hatha Yoga in immer neuen Wellen in Indien und im Westen populär. Und nach dem zweiten Weltkrieg wurden Yoga Meister wie Swami Sivananda, Swami Vishnu-devananda, Krishnamacharya, B.K.S. Iyengar, Pattabhi Jois weltweit bekannt.

yoga als olympische disziplin

Und auch, wenn es um den Grad der Beliebtheit und der Verbreitung geht, ist Yoga ganz weit vorne mit dabei: Spätestens seit dem Jahr 2000 ist Yoga eine populäre weltumspannende Bewegung geworden. Manche Schätzungen gehen von etwa 400 Millionen Yoga Übenden. 2014 gab es übrigens 2,6 Millionen Yoga-Praktizierende allein in Deutschland.

Der yogische Lebensstil enthält einen gesunden Grundwert. Das heißt, wer Yoga macht ernährt sich gesund und achtet auf gewisse Dinge. Das bedeutet nicht, dass jeder Yogi und jede Yogini, so wie die alten Yoga-Gurus, vegan leben. Nein, es bedeutet, dass mit der Yogapraxis eine gewisse Aufmerksamkeit gegenüber gesunder Ernährung steigt.

Damit wird natürlich auch das generelle Immunsystem gestärkt. Wer Yoga macht, baut Stress ab und kann sogar Burnout und Depressionen vorbeugen. Ob die Athleten also gesund sind? Ja! Und wie! Doping kann man hier sicher lange suchen…

Einzig und allein der Punkt des Sportverbandes ist ein Problem. Das gibt es beim Yoga nicht und eigentlich ist genau das auch super so. Es passt nicht zum Yoga, dass hohe Tiere die Sportart beherrschen, Gelder verteilen und Wettkämpfe organisieren.

Sollten sich Yogaschulen auf die Vorbereitung der Olympischen Spiele konzentrieren?

Nein. Denn dafür müsste man jeden einzelnen Yogi und jede einzelne Yogini darauf trainieren, dass er oder sie die Asanas perfekt ausführt. So, dass sie anhand eines Kriterienkatalogs abgeglichen werden kann. Das heißt, dass eine Art Wettbewerbscharakter in den einzelnen Yogaschulen entstehen müsste. Training für Training würde man die gleichen Asanas immer wieder machen. Im Kopf macht sich dabei dann nicht die Leere breit, sondern der Gedanke an den Wettbewerb, an die Frage, ob man alles richtig macht. Und das widerspricht dem Yogagedanken zu 100%.

yoga als olympische disziplin

Kann man Yoga beurteilbar machen?

Nein. Jeder macht Yoga auf seine ganz eigene Art und Weise. Dabei sind die einen total stark und können sämtliche Asanas im Schweben machen und andere sind flexibel und super dehnbar und bekommen die Fersen schon beim ersten Downward Facing Dog auf die Matte. Auch das widerspricht dem Yoga komplett. Im Yoga gibt es kein richtig, kein falsch. Kein, so sollte es sein und das, was du da machst, macht keinen Sinn. Nein. Yoga bedeutet, von Mal zu Mal weiter an sich und seiner eigenen Hingabe gegenüber gewissen Übungen zu arbeiten. An einem Tag klappt der Baum dabei vielleicht besser als an einem anderen Tag. Das liegt noch nicht einmal an der körperlichen Verfassung, sondern viel mehr am Geist, an der mentalen Verfassung.

Wenn man diesen Gedanken nimmt, dann ist klar, dass Yoga als olympische Disziplin nicht wirklich aufgeht. Es sei denn, man geht voll und ganz vom Ursprungsgedanken weg und betrachtet Yoga als einen wirklichen Sport, in dem es nur um den Wettkampf geht. Dann reden wir aber nicht mehr von Yoga, sondern von Akrobatik mit neuen Übungen.

Fazit: Yoga wird nie eine Olympische Disziplin sein und das ist auch gut so!

Anne von ASANAYOGA ist Reisejournalistin, Bloggerin und schon seit vier Jahren in Indonesien verliebt. Manchmal teilt sie diese Liebe auch mit anderen Ländern in Südostasien, dann packt sie ihren Schrammel-Backpack und zieht los. Yoga macht sie schon seit 5 Jahren und hat gerade Bikram für sich entdeckt. Nur an das Schwitzen muss sie sich noch gewöhnen.

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