Gastbeitrag

Anne Steinbach

„Wie kleine aufgedrehte Männchen“

Yoga zur Stressbewältigung

Der Kopf schmerzt, der Atem ist kurz. Den Wecker habe ich bereits erfolgreich fünf Mal ausgestellt. Doch er gibt nicht auf. Dieser Morgen. Diese grauen Morgen, an denen einfach nichts funktionieren will, weil ich schon ganz genau weiß, dass der Tag voller Pflichten steckt. Ich bin gestresst. Yoga zur Stressbewältigung ist optimal, um gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit einfach mal runterzukommen.

Wie gestresst sind wir eigentlich wirklich?

Termine, Besprechungen, Abgaben, einkaufen gehen, Wäsche waschen und essen muss ich auch irgendwann. Was ist nur los mit mir, frage ich mich selbst, als ich mal wieder ohne Atem unter der Dusche stehe. Mit dem Brötchen vom Bäcker in der Hand hetze ich zur Bahn, nur um schweißgebadet und hechelnd zur Arbeit zu kommen – ist das normal?

Ich bin im Stress und das, so scheint es, ist mittlerweile tatsächlich zu einem ganz normalen Zustand geworden – zumindest für ein knappes Viertel der deutschen Bevölkerung. Das besagt die TK Stresstudie 2016, in der 1.200 deutschsprachige Personen ab 18 Jahren zu ihrer Stressbelastung und ihren Entspannungsstrategien in Alltag, Freizeit und Beruf befragt worden sind. Demnach sind 38% der befragten Deutschen manchmal gestresst, 23% der Befragten sogar häufig und nur 40% nie bis selten. Ich bin also nicht allein – leider.

Yoga zur Stressbewältigung
Yoga zur Stressbewältigung
Yoga zur Stressbewältigung

Dazu schwankt das Stresslevel der Bevölkerung natürlich mit den Jahreszeiten. Während im Frühling alles toll ist, alles entspannt und die ersten Sonnenstrahlen sowieso die Sorgen und die Anspannung wegkitzeln, kommt der Dezember und die stressige Vorweihnachtszeit mit vollem Karacho um die Ecke.  Geschenke, kochen, Familie. Eine Zeit, in der alle Nerven gleichzeitig funktionieren und sich möglichst nicht verknoten sollten.

Woran merke ich, dass ich gestresst bin?

Bisher gibt es keine feste Definition für Stress. Bisher ist auch noch nicht wirklich klar, ob Stress nicht viel mehr als ein Modewort, als als eine wirkliche Krankheit oder Belastung gesehen werden kann.

Nun, wenn ich mich an diesem Morgen im grauen Berlin im Fenster der U-Bahn anschaue, dann kann ich ganz klar sagen: gesund sehe ich nicht aus.

Stress kommt mit vielen Faktoren, die eine wirklich stringente Auflistung der Symptome erschwert. Von Reizbarkeit über Schlafstörungen bis hin zu Nervosität, Müdigkeit und einer hohen Anspannung kann alles auf Stress hindeuten. Sicherer jedoch für eine solche Diagnose ist der einfache Blick, das einfache Horchen, in den eigenen Körper. Fühl ich mich wohl? Habe ich genug Luft für die Dinge, die mich glücklich machen? Habe ich Zeit für eine Auszeit? Ich kann nicht eine einzige dieser Fragen mit „JA!“ beantworten – Zeit für ein bisschen Veränderung im Alltag.

Im Wettlauf gegen den Alltag

Es gibt Dinge im Leben, die fahren einen automatisch herunter. Für den einen ist es der Abend auf der Couch, für die andere das Treffen mit den Freunden oder der gemeinsame Kochabend. Für mich ist es die Natur: Ob Wasser, Berge, Flachland oder einfach nur der Blick auf die Sonne, die langsam unter geht.

Dazu kommt, dass mir häufig auf Reisen auffällt, wie sehr Stress gerade den deutschen Alltag beherrscht. Mit wehleidigem Blick schlendere ich dann vorbei an den gedeckten Tischen in Frankreich, den Niederlanden und Portugal und bestaune, wie entspannt die Familien und Freunde hier an einem Tisch sitzen. Oder seien es die Kinder im Senegal, die entspannt und gelassen in den Gassen herumtollen, während ihre Mütter in der anderen Ecke schon seit Stunden die Wäsche mit der Hand waschen. Dazwischen kommen mir die Balinesen in den Sinn, die jeden Tag aufs Neue ihrer religiösen Pflicht nachgehen und ihren Alltag unterbrechen, um kleine Opfergaben in den Altar zu bringen.

Yoga zur Stressbewältigung

Ich werde zum Batteriemännchen

Dagegen wirken wir wie kleine aufgedrehte Männchen, von denen morgens die Batterie so weit aufgedreht wurde, dass wir mindestens 12 Stunden am Tag gehetzt durch die Straßen rennen – von Termin zu Termin, von Verpflichtung zu Verpflichtung. Und dabei ertappe ich mich, wie ich selbst zu Hause, in Deutschland, zu einem Batteriemännchen werde. Die Entspannung, die Gelassenheit, die kommt bei mir nur, wenn der deutsche Alltag weit weg ist.

Zeit also, um sich selbst im Alltag einen Stresspuffer zu bauen. Ich habe angefangen, mir kleine Rituale zu schaffen, die mich vom Stress abbringen und mir eben genau das Gefühl bieten, das ich auf Reisen habe: Gelassenheit und eine unsichtbare Hülle, die meinen Körper und meinen Geist vor sämtlichen Stressfaktoren schützt, die mich auf 180 bringen könnten.

Über Yoga und die unsichtbare Hülle

Yoga hat mir dabei geholfen. Viele wissen gar nicht, dass man eben auch beim Yoga über seine eigenen Grenzen gehen muss. Habt ihr schon einmal 20 Minuten auf euren Fersen gesessen, obwohl es am Anfang tierisch wehgetan hat? Nein? Gut, ich schon. Und das hatte einen einfachen Grund: Häufig dreht uns unser eigener Körper einen Strick aus Nichtigkeiten – wie eben genau in dieser Position. Natürlich schmerzt es, auf den Fersen zu sitzen. Doch es schmerzt nur, weil die Position für den Körper absolut unbekannt ist. Bisher saß ich nie so lange auf meinen Fersen.

Yoga zur Stressbewältigung
Yoga zur Stressbewältigung

In anderen Worten: Der Schmerz, den mein Körper in diesem Moment an meinen Kopf weitergegeben hat, ist keine Warnung, sondern ein Zeichen der Unruhe, der Anspannung und der nicht vorhandene Ausdauer. Ich habe ihn ausgeschaltet, meinen Kopf, und bin sitzen geblieben. Dabei habe ich etwas Wichtiges gelernt: Versuche deinem Körper eine Schutzmauer anzutrainieren, um kleine Trigger, wie eben der Schmerz in den Fersen, die für deinen Körper ungewohnt sind, nicht an dich heranzulassen. Du wirst schnell merken, dass du ruhiger und entspannter wirst.

Wie hilft Yoga gegen Stress?

Abgesehen von der unsichtbaren Hülle, die Yoga aufbaut, ist es generell Fakt, dass Yoga sich mit dem Körper, dem Geist und der Seele vereint – drei Orte, an denen Stress aufgebaut und vor allem auch gespürt werden kann. Mit kleinen Übungseinheiten und dem gewohnten Gang in die Yogastunde können alle drei Zentren gleichzeitig auf einen gemeinsamen Ruhepol gebracht werden.

Eine von vielen Möglichkeiten, um den Stresspegel mal wieder auf Normal zu bringen – habt ihr es schon ausprobiert?

Ich bin freie Journalistin und Online Redakteurin und schreibe, neben Yoga- und Fitnessthemen, auch auf meinem eigenen Reisemagazin Travellers Archive über meine Reisen in die etwas anderen Destinationen. Falls ich zwischendurch zum Sport machen komme, laufe oder surfe ich am liebsten – alternativ gehen aber auch gemütliche Yogastunden in Ordnung.

Gastbloggerin Anne Steinbach

Gastbloggerin Anne Steinbach

Ich bin freie Journalistin und Online Redakteurin und schreibe neben Yoga- und Fitnessthemen, auch auf meinem eigenen Reisemagazin Travellers Archive (https://travellersarchive.de/) über meine Reisen in die etwas anderen Destinationen. Falls ich zwischendurch zum Sport machen komme, laufe oder surfe ich am liebsten – alternativ gehen aber auch gemütliche Yogastunden in Ordnung.